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Drei-Fragen-Interview mit Bardo Henning:
Aus Anlass der Uraufführung seines jüngsten Werks „Expansion“, mit dem der international renommierte Komponist, Musiker und Bandleader einen Ausflug in die „unendlichen Weiten des Weltalls“ unternimmt:
Taschow: Ihr Vorname Bardo bedeutet im tibetanischen Buddhismus wortwörtlich „Zwischenzustand“. In Ihrer mit herkömmlichen Genrebegriffen kaum greifbaren Musik scheinen Sie diesen Namen zum Programm gemacht zu haben?
Henning: Ja, „der Zwischenzustand zwischen Leben und Tod, wenn die Seele den Körper verlässt“ ist eine Bedeutung meines Vornamens. Im Germanischen bedeutet er „Streitaxt“, in den lateinischen Ländern ist der Bardo ein Barde, im Japanischen soll „Bar Do“ der Weg zur Bar heißen. Es ist ein Wort was in vielen Sprachen existiert, und tatsächlich reizt es mich sehr die verschiedenen „Sprachen“ der Musik zu sprechen, von der U wie Umgangssprache bis zur E wie Ernsten Musik, von den Märchenklängen bis zum Staatsakt.
Taschow: Der Verweis auf den Staatsakt zielte gewiss auf Ihre Hymnen-Collage zum „Tag der Deutschen Einheit“, mit der Sie nur knapp einem mehrjährigen Gefängnisaufenthalt entkamen. Durch Ihre „leichtsinnige“ kabbalistische Vertonung von Telefonnummern „Fon-Art“ avancierten Sie über Nacht darüber hinaus zu einer der meist observierten Personen internationaler Geheimdienste. Fürchten Sie nicht, dass Sie mit Ihrer jüngsten Komposition „Expansion“, die die etablierte Ursprungstheorie unseres Universums ad absurdum führt, nun auch noch den heiligen Zorn der Physikerwelt auf sich ziehen werden?
Henning: Dass das Saxofonquadrat im "Einstein-Jahr" meine Komposition mit den Sätzen: Expansion - Destruktion - Drei gegen Einen - Intergalaktische Deeskalation uraufführt, freut mich. Sie sehen, DA OBEN ist ganz schön was los, sowohl außerhalb wie innerhalb des Raumschiffes. Das lässt mich mögliche irdische Unbill in Kauf nehmen. Die von Ihnen genannten Ereignisse haben mich abgehärtet.
Taschow: Erik Satie fasste seine Musik einst unter dem Motto „musique d’ameublement“ zusammen, was meinte, dass man mit ihr wie mit Möbelstücken umgehen solle. Wie sollen wir mit Ihrer Musik umgehen?
Henning: Wenn dieses Saxophonquartett es schafft, den Zuhörer für eine Weile in den Zwischenzustand zu entführen, wo wir den Alltag vergessen können, und uns wie ein winziges Staubkorn durch den Weltraum fliegend erleben, und trotzdem ein bedeutender Teil des Ganzen sind, bin ich glücklich.
Bardo Henning / Ulrich Taschow, Andromeda-Nebel, Sternzeit 03.02.05
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